Wasserschloss Haus Caen
in Straelen
Wasserschloss Haus Caen Das Haus Caen ist ein schlossartiger Herrensitz an der Landstraße von Wachtendonk nach Straelen in Nordrhein-Westfalen. Es ist an zwei Seiten von Wassergräben umgeben, die von der Niers gespeist werden, und befindet sich heute in Privatbesitz.
Das Herrenhaus ist ein zweigeschossiges, verputztes Gebäude mit ockerfarbenem Anstrich und zwei vorspringenden Eckrisaliten an den Seiten des westlichen Portals, die von einem abgestumpften Pyramidendach abgeschlossen sind. Es erhebt sich über einem Sockelgeschoss. Sein abgewalmtes Mansarddach besitzt geschweifte Dachgauben.
Im zweiten Geschoss befand sich früher eine Kapelle, deren Einrichtung der Bischof von Roermond, Eugenius Albertus d’Allamont, 1660 bewilligt hatte. Bemerkenswerteste Innenausstattung ist ein Kamin aus weißem Marmor, der ursprünglich auf Haus Vlassrath installiert war. Er wurde anlässlich der Heirat Johanns von Brempt zu Vlaesrath mit Johanna von Berg-Trips angefertigt und besitzt ein Architrav mit den Ahnentafeln der Brautleute.
Nördlich des Herrenhauses liegt die vierflügelige Vorburg mit Wirtschaftsgebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Zu diesen zählt unter anderem die älteste Wassermühle des Niederrheins – ein Halbfachwerkbau, der um 1800 erbaut wurde – und einer der wenigen erhaltenen Taubentürme aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.
Haus Caen wird von einem etwa 100 Hektar großen, Englischen Landschaftsgarten umgeben, zu dessen Bestand neben einigen Blutbuchen auch viele seltene Gehölze gehören.
Die Bezeichnung Caen erscheint in Urkunden erstmals zu Beginn des 14. Jahrhunderts, als die Schwester des Straelener Vogts Giselbertus als „Fia, domina de Caen“ bezeichnet wird. Dann folgt einer Erwähnung Caens im Jahr 1413, als ein Lutger von Caen eine vom geldrischen Herzog Reinald IV. gegründete Kapelle mit Landbesitz dotierte.
1451 wurde Haus Caen urkundlich als Besitz eines Maes von Oyst erwähnt. Zu jener Zeit handelte es sich um eine Hoffeste, die nach Art der niederrheinischen Wasserburgen auf Pfählen erbaut und anschließend zu einer kleinen Burganlage ausgebaut worden war. Über Maes’ Sohn Johann kam der Besitz 1529 an dessen Schwester Lisbeth. Von ihr noch im gleichen Jahr an die Abtei Siegburg verkauft, befand sich Caen schon kurz darauf im Besitz Philipp von Wissel (auch Wischel), dem sein Sohn Engelbert folgte.
In der zweiten Hälfte des 16. und der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren zahlreiche verschiedene Familien – teils sogar gleichzeitig – im Besitz des Hauses. Das Ergebnis etlicher Landteilungen und Verkäufe war, dass Caen Mitte des 17. Jahrhunderts den Familien von Wissel und von Quaedt-Sevenich gehörte. Durch Heirat der Katharina von Wissel kam ein Teil des Hauses an die Familie von Spick.
Im Jahr 1657 verkaufte Lukas von Spick, Ritter zu Bieberbau und Langenau, seine Hälfte des Besitzes an den Baron von Magny, Jacques Simon de Varo, der nur ein Jahr später auch die andere Hälfte von Johann von Sevenich und dessen Frau Margarethe von Quadt erwarb. Nachdem er 1660 die noch heute existierende Schlosskapelle eingerichtet hatte, ließ er das Haus 1666/67 grundlegend erneuern und umgestalten. Dazu gehörte unter anderem die Wiederherstellung der verlandeten Gräben sowie der Neubau eines Tores durch Peter Fenten. Das Herrenhaus ließ Varo im Stil französischer Pavillonschlösser umgestalten.
Vor diesem Umbau existierte westlich des Schlosses ein Turm mit quadratischem Grundriss, der niedergelegt wurde. Seine Fundamente sind jedoch noch im Schlossgraben erhalten.
Im 18. Jahrhundert erfolgte der Umbau zum „Maison de plaisance“. 1817 erbte Carl Ludwig Franz von Varo den Besitz von seinem Onkel. Zu seiner Zeit wurde in den Jahren von 1820 bis 1830 unter der Leitung des königlichen Gartenbaudirektors Maximilian Friedrich Weyhe der umliegende Park im englischen Landschaftsstil angelegt. Mit Carl Ludwigs Tod 1876 starben die Grafen von Varo im Mannesstamm aus. Haus Caen kam durch Erbschaft an Rudolf Geyr von Schweppenburg, dessen Familie noch heute Eigentümerin des Anwesens ist.
Das heutige Dach des Herrenhauses stammt aus dem Jahr 1904 und musste nach einem Brand als Ersatz für das bis dahin existierende flache Walmdach installiert werden. Die hohen Walmdächer der Risalite sind ebenfalls ein Ergebnis dieser Umbauarbeiten, bei denen auch ein flacher Dreiecksgiebel in der Mitte der westlichen Längsseite des Gebäudes entfernt wurde.
1977 beschädigte ein weiteres Feuer die Wassermühle im Vorburgareal. Sie wurde aber bis 1982 wieder aufgebaut.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
ganzjährig von außen (und weitem!)
Parkmöglichkeiten:
keine echte Parkmöglichkeit, irgendwo am Rand der Landstraße anhalten
Essen & Trinken:
nein
Übernachtung:
nein
Homepage:
Tipps & Tricks:
Das Schloss befindet sich in Privatbesitz, kann aber von der Straße aus sehr gut fotografiert werden.