Wasserschloss Gracht
in Erfstadt
Wasserschloss Gracht Schloss Gracht wurde im Jahr 1433 erstmals urkundlich erwähnt. Mit dieser Erwähnung ging auch die Nennung seiner damaligen Besitzer einher: Hermann von Buschfeld und seine Frau Johanna. Wie ihr Wohnsitz zu jener Zeit aussah ist jedoch nicht überliefert. Die älteste diesbezügliche Nachricht aus dem Jahr 1514 erwähnt einen Wehrturm.
Catharina von Buschfeld, Erbin von Gracht, vermählte sich 1538 mit Hieronymus Wolff, genannt Metternich zu Friesheim. Mehr als 400 Jahre lang blieb Schloss Gracht anschließend Stammsitz der Wolff Metternich, die sich bald zu einem der angesehensten Geschlechter des Erftraumes entwickelten und zu bedeutendem Einfluss und Reichtum kamen.
1605 wurden umfangreiche Baumaßnahmen an der Anlage vorgenommen. Auf einer Darstellung der Belagerung des nahe gelegenen Lechenich aus dem Jahr 1642 erkennt man, dass um diese Zeit eine von Gräben umgebene Anlage mit Vor- und Kernburg bestanden haben muss, deren trutziger Kern an der Nordost-Ecke wohl noch durch den 1514 erwähnte Wehrturm gebildet wurde.
Den Charakter der wehrhaften Wasserburg bewahrte Gracht bis Mitte des 17. Jahrhunderts, denn 1657 begann Johann Adolf I. Wolff Metternich damit, die Burg zu einem repräsentativen Wasserschloss aus- und umzubauen. Aber erst sein Enkel Johann Adolf II. brachte die zeitweilig unterbrochenen Bautätigkeiten zum Abschluss. Die Vorburg erhielt während dieser Zeit ihre heutigen Ausmaße.
Etwa zeitgleich mit dem letzten Bauabschnitt der Vorburg wurde an der Ostseite des Schlosses ein prachtvoller Barockgarten im französischen Stil angelegt, zu dem von der Kernburg eine Brücke über den Burggraben führt. Er entstand als erste Anlage dieser Art im Kölner Kurstaat, noch vor den weitaus bekannteren Gärten in Bonn und Brühl. Teile des heute veränderten und verkleinerten Parks - von den barocken Anlagen ist nur noch das Gartenparterre erhalten - lassen noch die Großartigkeit der damaligen Anlage erahnen.
Als 1794 französische Revolutionstruppen in die linksrheinischen Gebiete einmarschierten, flohen die Metternichs über den Rhein. Während der 20-jährigen Besatzungszeit diente Schloss Gracht zeitweise als Lazarett. Danach befand sich die Anlage in einem ruinösen Zustand. Graf Max Werner Wolff Metternich musste einige Teile der alten Burg, vor allem den mittelalterlichen Bergfried an der Nordost-Ecke, niederlegen lassen.
Levin Anton Wolff Metternich zu Gracht entschloss sich dann zu einem umfassenden Neubau, für den am 26. August feierlich der Grundstein gelegt wurde. Für die bis 1835 andauernden Arbeiten zeichnete der Kölner Architekt und Schinkel-Schüler Johann Anton Wallée verantwortlich. Er ließ ein zweiflügeliges Herrenhaus mit flachem Walmdach errichten, dessen beibehaltener Ostflügel mit drei Geschossen den Hauptbau bildete. Der an der Südseite angeschlossene Trakt ist wesentlich schmaler und besitzt nur zwei Stockwerke. An der Parkseite sind dem Schloss zwei von mehrfach geschweiften, zierlichen Hauben bekrönte unterschiedlich hohe Türme auf quadratischem Grundriss vorgesetzt.
Die Vorburg brannte im Jahr 1879 ab, wurde aber 1880 in neugotischer Form mit Treppengiebeln und Zinnen wieder aufgebaut.
Bis 1957 blieb Schloss Gracht im Besitz der Familie Wolff Metternich, von der es dann die Gemeinde Liblar erwarb. Im Jahr 1962 ging es wieder in private Hand über und wechselte nachfolgend mehrmals den Besitzer. 1973 erwarb es der Verein zur Förderung des Universitätsseminars der Wirtschaft und baute es innerhalb von drei Jahren für 15 Millionen Mark zu einer Fortbildungsstätte der Führungskräfte der Wirtschaft um, für deren Betrieb seit 2004 die European School of Management & Technology verantwortlich ist.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
ganzjährig nur von außen
Parkmöglichkeiten:
direkt am Schloss
Essen & Trinken:
Schlossrestaurant nur für Übernachtungsgäste
Übernachtung:
European School of Management and Technology
Tipps & Tricks:
Das Schloss ist Sitz der European School of Management and Technology, deren Räume man für Tagungungen, Seminare und Feiern mieten kann. Nur in diesem Zusammenhang ist auch das Übernachten im Schloss möglich.
Der Schlosspark ist aber der Öffentlichkeit zugänglich.