Schloss Herten
in Herten
Schloss Herten Die Familie derer von Herten, Lehnsmänner der Abtei Werden, findet im Jahre 1286 erstmals urkundlich Erwähnung. Ihr damaliger Wohnsitz wird von Historikern im heutigen Stadtkern Hertens bei der Pfarrkirche St. Antonius vermutet. Im 14. Jahrhundert errichtete das Rittergeschlecht ein festes Haus am Ort des heutigen Schlosses, das 1376 als Lehen der Werdener Reichsabtei urkundlich erwähnt wurde.
Durch Heirat gelangte das "Haus Herten" Mitte des 14. Jahrhunderts an die Herren von Galen (auch Gahlen geschrieben). Deren Erbtochter Elseke brachte es 1488 durch ihre Heirat im Jahr 1476 an ihren Ehemann Dietrich von Stecke zur Leythe.
Anna von Stecke heiratete 1529 Betram von Nesselrode, Erbkämmerer des Herzogtums Berg. Er war - wie zahlreiche Mitglieder des Hauses Nesselrode - von 1539 bis 1556 kurkölnischer Statthalter im Vest Recklinghausen und setzte den bereits im Jahr 1520 begonnenen Aus- und Umbau des Hauses fort.
Nahezu 300 Jahre lang blieb die Anlage im Besitz der Familie von Nesselrode. Freiherr Franz von Nesselrode und Reichenstein wurde 1702 von Kaiser Leopold I. in den Reichsgrafenstand erhoben. Als der letzte männliche Vertreter der Hertener von Nesselrode, Johann Franz Josef Reichsgraf von Nesselrode, 1826 starb, gelangte das Schloss über Johanns Erbtocher Charlotte an die Familie derer von Droste zu Vischering, die noch im gleichen Jahr ebenfalls in den Reichsgrafenstand erhoben wurde. Die Mitglieder ihrer Hertener Linie nannten sich in späteren Jahren dann "von Nesselrode-Reichenstein".
Nachdem die Familie ab 1920 auf Schloss Merten residierte und damit Schloss Herten als Wohnsitz aufgegeben hatte, wurde die Anlage dem Verfall anheim gegeben. Während der Ruhrgebietsbesetzung 1923 bis 1925 diente sie noch als Unterkunft für französische Truppen, die das Schloss in einem Zustand der Verwüstung zurückließen.
Vorläufig letzter Eigentümer der Anlage wurde der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der die seinerzeit heruntergekommenen Gebäude samt dem 30 Hektar großen Schlosspark 1974 erwarb.
Bei dem heutigen Schloss Herten handelt es sich um eine zweiteilige Anlage, deren Hauptburg ein rundum von einer Gräfte umgebener Ziegelbau mit runden Eckpavillontürmen ist. Seine Vorburg - auch aus Ziegelstein errichtet - liegt auf einer eigenen Insel und war seinerzeit durch eine Zugbrücke mit der Hauptburg verbunden. Zum Ensemble gehört daneben noch eine dritte Insel, die in früheren Jahren wohl als Garten genutzt wurde.
Mit Ausnahme des eingeschossigen Südtrakts weisen die Flügel der Hauptburg zwei Geschosse auf und werden von einem Satteldach gekörnt. Sämtliche Gebäudeflügel besitzen Treppengiebel mit Fialenschmuck.
Das heutige Vorburggebäude stammt aus dem 16. Jahrhundert und war einst der westliche Flügel einer Remise.
Die Herren von Herten errichteten in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts einen mittelalterlichen Wohnturm aus Stein, dessen wenige Relikte heute noch im Gewölbekeller des Nordflügels sichtbar sind. Weitere Bauteile aus jener Zeit konnten durch eine im Jahr 1974 durchgeführte Notgrabung nachgewiesen jedoch nicht rekonstruiert werden.
Ab 1520 erfolgte unter dem Coesfelder Baumeister Henric de Suer und dessen Sohn Johann der Um- und Ausbau des steinernen Wohnturms zu einem geschlossenen Kastell im Stil der Spätgotik. Aus diesem Grunde weist Schloss Herten unübersehbare Ähnlichkeiten zum damaligen Schloss Nordkirchen auf, das ebenfalls unter Henric de Suer erbaut wurde. Zeitgenössische Berichte sprechen nach Abschluss der Bauarbeiten im Jahr 1560 von einem "gewaltigen Bau mit Festungen und Wällen", der mittels seines Rechteckwalls mit Eckbastionen während des Truchsessischen Kriegs 1583 einer Belagerung durch Gebhard I. von Waldburg standhalten konnte. Reste der damaligen Wälle sind noch im Bereich der östlichen Kastanienallee erhalten.
Die Erweiterung des steinernen Wohnturms zu einer bastionierten, unregelmäßigen Vierflügelanlage (Ausgraben haben gezeigt, dass sie ursprünglich mit einem quadratischen Grundriss geplant war) geschah in mehreren Phasen.
Zuerst entstand ein Erweiterungsflügel auf Pfahlrosten im Norden der Anlage, der sich östlich an den Wohnturm anschloss. In späteren Jahren wurde dem Bau hofseitig eine zweigeschossige Galerie angefügt. Bei deren Fassade handelt es sich um die älteste in Resten noch erhaltene Schaufassade Westfalens. Ihr Baubeginn kann bisher nicht genau datiert werden, fest steht lediglich, dass sie vor Mitte des 16. Jahrhunderts fertig gestellt war.
Anschließend wurde vermutlich der Ostflügel mit seinen Repräsentationsräumen errichtet. Das Erdgeschoss beherbergte seinerzeit lediglich einen großen Saal und eine sich daran südlich anschließende Saalkammer.
Der Westflügel der Anlage kam in der dritten Bauphase hinzu. Sein Mittelteil bildete ein bereits früher errichtete Haus, dessen Giebel noch erhalten und im heutigen Dachboden sichtbar ist. Dieses Haus wurde erst im Norden durch den heutigen Nordwestturm und anschließend nach Süden durch einen weiteren Turmbau erweitert.
Abschließend wurde ein zweigeschossiger, verbindender Trakt schräg zwischen die unterschiedlich langen Ost- und Westflügel im südlichen Teil der Anlage gesetzt. Sein heutzutage noch erhaltenes erstes Geschoss wird von einer spätgotischen Säulengalerie getragen. Wann das zweite Geschoss abgerissen wurde, ist heute nicht mehr genau feststellbar; vermutlich in der Zeit zwischen 1850 und 1870. Einhergehend mit dem Bau des Südflügels errichtete man einen heute noch erhaltenen, achteckigen Treppenturm in der südöstlichen Ecke des entstanden Innenhofs. Er war einer der ersten seiner Art, da bis zu jener Zeit lediglich Wandtreppen an den Außenmauern oder innen liegende Holztreppen in die Obergeschosse üblich waren.
Ab etwa 1650 ließ die Familie von Nesselrode umfangreiche Modernisierungsarbeiten an den Gebäuden vornehmen, mit denen auch die Entfestigung der Anlage einher ging. Aus jener Zeit stammt die bei Restaurierungsarbeiten wieder entdeckte, perspektivisch bemalte Decke des großen Saals im Erdgeschoss des Ostflügels. Sie ist einzigartig in Westfalen.
Im Jahre 1687 vernichtete ein schwerer Brand große Teile des Nord- und Südflügels, bei dem auch die wertvolle Bibliothek größtenteils zerstört wurde. Freiherrn Franz von Nesselrode-Reichenstein baute das Schloss in seiner heutigen barocken Form bis 1702 wieder auf. Im Zuge des Wiederaufbaus wurde auch das aufwändig gestaltete Portal an der Westseite der Anlage errichtet. Seine Kartuschen rechts und links des Torbogens berichten von den auf Schloss Herten ansässigen Geschlechtern, dem verheerenden Brand sowie dem Wiederaufbau.
Nachdem die ehedem schon heruntergekommenen Schlossgebäude nach 1925 nicht mehr genutzt wurden, taten durch den Bergbau verursachte Bodensenkungen ihr Übriges und brachten die Vierflügelanlage beinahe zum Einsturz. Ab 1967 wurden aus diesem Grunde Sicherungsmaßnahmen an den Fundamenten der Gebäude vorgenommen. Der Verfall der aufstehenden Bausubstanz ging indessen ungehindert weiter.
Als der Landschaftsverband Westfalen-Lippe die ruinösen Bauten 1974 übernahm war endlich Besserung in Sicht. Noch im selben Jahr begannen Wiederherstellungsmaßnahmen, die bis 1989 andauerten.
Bis 1908 befand sich die Schlosskapelle im Südflügel der Hauptburg. In jenem Jahr wurde die heutige Kapelle - von Schloss Grimberg stammend - mit seiner dreischiffigen Halle über zwei Joche auf das Hertener Vorburggelände übertragen. Trotz ihrer barocken Innenausstattung aus dem Jahre 1747 (teilweise von Johann Conrad Schlaun entworfen), sind ihre Ursprünge gotisch (16. Jahrhundert).
Der Portalvorbau an der Giebelfront wurde dem Bau erst nach seiner Wiedererrichtung in Herten hinzugefügt.
Zusammen mit der Kapelle zogen auch die Tumben des Ehepaars Heinrich Knipping (†1578) und Sybilla von Nesselrode (†1602) von Grimberg nach Schloss Herten um.
Mit dem Wiederaufbau der Schlossgebäude nach dem Brand 1687 erteile Franz von Nesselrode-Reichenstein den Auftrag, nördlich der Gebäude einen Park nach dem Vorbild französischer Barockgärten anzulegen. 20 erhaltene Federzeichnungen des wallonischen Malers Renier Roidkin von etwa 1730 geben einen guten Einblick in das damalige Aussehen der Gartenanlage.
1725 wurde am Nordrand des Parks - etwa 170 Meter vom Hauptschloss entfernt - der Bau einer eingeschossigen Orangerie vollendet. Über ihrer zehnachsigen Fensterfront erhob sich eine mit zwölf Dachplastiken besetzte Balustrade. Zur Orangerie, die auch als Gartenkasino genutzt wurde, gehörten ein Irrgarten und ein Naturtheater. Vom einstigen Glanz dieses Gebäude kündet heute jedoch nur noch eine Ruine.
Durch private Spenden konnte ein im östlichen Teil des Parks stehender Gartenpavillon aus der Zeit um 1720 erhalten und restauriert werden. Die Bezeichnung des kleinen Ziegelbaus im Louis-Seize-Stil als Tabakhäuschen erinnert an zwei französische Grafen Riaucourt, die Söhne einer geborenen Gräfin von Nesselrode waren. Sie hatten sich vor der Französischen Revolution zu ihren Verwandten nach Herten geflüchtet und frönten im Pavillon dem seinerzeit neumodischen Laster des Tabakgenusses, der in den Schlossgebäuden nicht geduldet wurde.
Die heutige Form des Hertener Schlossparks geht auf den Düsseldorfer Hofgärtner Maximilian Friedrich Weyhe zurück. Er gestaltete den französischen Garten in den Jahren 1814-1817 zu einem englischen Landschaftsgarten um.
Nach der 50-jährigen Vernachlässigung in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, war die Parkanlage vollkommen verwildert. Ihre Wiederherstellung wurde zeitgleich zu den Restaurierungsmaßnahmen an den Schlossgebäuden ab 1974 vorgenommen, so dass der Park 1981 der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden konnte.
Sowohl die Vorburg als auch zahlreiche (neu entstandene Nebengebäude) auf dem Schlossareal werden heutzutage als Sozialzentrum und Tagesklinik des benachbarten Landeskrankenhauses für Psychiatrie genutzt.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
ganzjährig von außen
Parkmöglichkeiten:
etwa 5 Gehminuten vom Schloss entfernt
Essen & Trinken:
Schlosscafé
Übernachtung:
nein
Homepage:
Tipps & Tricks:
Heiratswillige können sich im so genannten Nesselrode-Salon des Schlosses standesamtlich trauen lassen.