Wasserschloss Hugenpoet
in Essen
Wasserschloss Hugenpoet Schloss Hugenpoet ist ein dreiteiliges, von Gräften umgebenes Wasserschloss im Essener Stadtteil Kettwig in unmittelbarer Nachbarschaft zum Schloss Landsberg. Sein Name kann als "Kroetenpfuhl" gedeutet werden, was einen Hinweis auf die dortigen sumpfigen Auenlandschaften im Ruhrtal gibt.
Das Herrenhaus ist ein frei im Wasser stehendes Gebäude auf rechteckigem Grundriss. An seiner Nordseite erheben sich zwei mächtige, rechteckige Flankierungstürme, die geschweifte Hauben mit Laternen tragen. Der Ziegelbau mit Eckquaderungen wird durch Einlagen aus Sandstein horizontal gegliedert. Sein flaches Mittelrisalit mit dem Portal stammt aus dem Jahre 1872 und zeigt über dem Eingang das Allianzwappen des Konstantin Erasmus von Nesselrode zu Hugenpoet sowie seiner Ehefrau Almara von Virmond.
Im Zuge von Umbauarbeiten für die Nutzung als Hotel erhielt die parkseitige Nordfassade des Haupthauses 1954 einen Terrassenanbau, die Innenausstattung ist jedoch weitestgehend noch im Originalzustand erhalten. Dazu gehörten unter anderem drei Renaissancekamine mit Sandsteinreliefs aus den Jahren 1560 bis 1578, die ursprünglich von Schloss Horst stammen, sowie das freistehende Portal in der Eingangshalle von 1696 und das sich ihm anschließende, barocke Treppenhaus aus schwarzem Marmor.
Die innere Vorburg ist dem Herrenhaus südlich vorgelagert und besteht aus zwei lang gestreckten Gebäuden, die einen Innenhof an dessen Ost- und Westseite begrenzen. An den südlichen Ecken der beiden schlichten, zweigeschossigen Bauten aus Bruchstein sollte jeweils ein Flankierungsturm errichtet werden, doch kam dieser Plan nie vollständig zur Ausführung. Lediglich die Turmfundamente wurden errichtet und sind heute noch erhalten.
Bauherr der Vorburg war Konstantin Erasmus von Nesselrode zu Hugenpoet, dessen Wappen sich an der Außenfassade über dem Portal befindet. Der westliche Bau beherbergt nördlich der Toreinfahrt die seit dem 18. Jahrhundert auf Hugenpoet nachweisbare Schlosskapelle. Deren Innenausstattung wurde - ebenso wie die übrigen Räume der inneren Vorburg - um 1880 im Stil des Historismus komplett umgestaltet.
Die eingeschossige äußere Vorburg liegt westlich der übrigen Schlossgebäude. Ihr freistehend errichtetes Portal ist über eine steinerne Bogenbrücke erreichbar. Der Südflügel wird an seiner Ecke durch einen rechteckigen, eingeschossigen Turm begrenzt. Es ist anzunehmen, dass ihm, wie im Barock üblich, ein symmetrischer Nordflügel gegenüber gestellt werden sollte, doch dieser kam nie zur Ausführung. Schießscharten im Mauerwerk geben einen Hinweis darauf, dass die äußere Vorburg unter Verwendung von Material der alten Burganlage von 1509 errichtet wurde.
Die Verbindung zur inneren Vorburg stellt eine rampenartige Brücke dar, die auf einem Tonnengewölbe errichtet wurde.

Als Königsgut Karl der Große|Karls des Großen fand Hugenpoet im Jahr 778 als ''Nettlinghave toe Loepenheim'' erstmals urkundlich Erwähnung. Später war es ein Oberhof der Abtei Werden, mit dem Ritter Vlecke von Hugenpoet 1314 belehnt wurde. Die Anlage diente in jener Zeit der Kontrolle der nach Kettwig führenden Ruhrbrücke, die der Jülicher Herzog Wolfgang Wilhelm von Pfalz-Neuburg im Jahr 1635 abbrechen ließ.
Wann das Hofgut zu einer ersten wehrhaften Burg ausgebaut wurde, ist bis heute nicht bekannt. Sie wurde jedoch 1478 während einer Fehde des Klever Herzogs Johann I. von Kleve gegen das Herzogtum Geldern erstürmt und in Brand gesetzt. Noch 1756 standen von dieser ersten befestigten Anlage ein Turm und ein Nebengebäude, die im 18. Jahrhundert durch ein Gehöft überbaut wurden. Lediglich Reste der einstigen Grabenanlage und der Burgweiher sind heute noch erhalten.
Um 1509 errichteten die Ritter von Hugenpoet an der heutigen Stelle, etwas 200 Meter vom alten Standort entfernt, einen Neubau. Dieser blieb bis 1831 im Besitz der Familie, welche sich seit etwa 1600 "von Nesselrode zu Hugenpoet" nannte. Doch auch dieser Bau blieb von Zerstörung nicht verschont. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Schloss von hessischen Truppen verwüstet.
Johann Wilhelm von Nesselrode zu Hugenpoet ließ gemeinsam mit seiner Frau Anna von Winkelhausen sämtliche Ruinen im Jahre 1647 abreißen und - mit der äußeren Vorburg beginnend - an deren Stelle Schloss Hugenpoet im wesentlichen in seiner heutigen Form neu aufbauen. Die Arbeiten fanden im Jahr 1696 unter Freiherr Konstantin Erasmus von Nesselrode zu Hugenpoet ihren Abschluss.
Dessen Nachkommen hatten nicht die finanziellen Mittel, die Anlage zu halten, und so wurde das mittlerweile verfallene Schlossgut im Jahr 1831 vom Freiherrn Leopold von Fürstenberg ersteigert, dessen Nachfahren noch heute im Besitz des Schlosses sind. Die Fürstenbergs ließen es nach dem Erwerb unter den Architekten August Lange und Heinrich Theodor Freyse im Stil der Neorenaissance ausbauen sowie modernisieren. 1879 verlegte die Familie ihren Wohnsitz dann von Schloss Borbeck gänzlich nach Hugenpoet. Bei den Umbauarbeiten wurden die damaligen Kreuzstockfenster durch ihre heutige Form ersetzt.
Während des Zweiten Weltkriegs waren in den Schlossgebäuden Dienststellen der Wehrmacht beheimatet, denen nach Ende des Krieges Flüchtlingsfamilien folgten. Zeitweilig beherbergte das Erdgeschoss des Hauptgebäudes auch die Ausstellung des Essener Folkwang-Museums, ehe das Schloss im Jahr 1955 seiner heutigen Nutzung als Hotel-Restaurant übergeben wurde.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
ganzjährig von außen
Parkmöglichkeiten:
direkt am Schloss
Essen & Trinken:
Schlossrestaurant
Übernachtung:
Schlosshotel
Tipps & Tricks:
Hugenport beherbergt heute ein Schlosshotel samt Restaurant