Burg Linz
in Linz
Burg Linz Seit mehr als sechs Jahrhunderten wird die Nordwestrecke der Stadt Linz von der kurfürstlichen Burg geprägt, die zu einem der Wahrzeichen des Ortes wurde. Zwischen 1364 und 1368 ließ der Kurfürst und Erzbischof von Köln, Engelbert III. von der Mark, sie für 30.000 Mark erbauen. Da er sich das Geld dazu borgen musste, blieb ihm nichts anderes übrig, als sie gleich nach Fertigstellung auf acht Jahre an das Erzstift Trier zu verpfänden - und die Stadt gleich mit dazu.
Es überrascht, dass der Kölner Erzbischof wenige Jahrzehnte nach der Befestigung der Stadt durch Mauern, Tore und Türme auf dem Bau einer Burg bestand. Sicher es war eine unruhige Zeit und Raubritter trieben am Rhein ihr Unwesen, so dass Erzbischof Engelbert Linz als Bollwerk seiner rechtsrheinischen Besitzungen ausbauen wollte. Außerdem hatten die Andernacher 1359 versucht, durch einen Aufstand ihre ehemalige Reichsunmittelbarkeit und Selbständigkeit zurückzugewinnen und die kurkölnische Burg ihrer Stadt erstürmt. Zur Strafe nahm ihnen der Landesherr das Zollrecht und verlegte es nach Linz.
Aber auch die Linzer waren im Bewusstsein ihrer neuen Freiheit als Stadtbürger mit anderen Städten ein Bündnis eingegangen, um selbst für Ruhe und Sicherheit am Rhein zu sorgen und um gegen die üblichen Verpfändungen und Verschacherungen an Fürsten und Herren zu protestieren. Der Bund hatte beschlossen, keinen Erzbischof in seine Mauern einzulassen, der nicht zuvor ihre Privilegien, Freiheiten und Rechte bestätigt hatte. Diese Eigenmächtigkeit passte dem Erzbischof nun ganz und gar nicht. Er brauchte die Burg einerseits als Bollwerk gegen äußere Angriffe und als Zollburg, andererseits aber auch als Zwingburg, als Demonstration seiner Macht gegenüber den eigenen Landeskindern. Mit welcher Berechtigung die Linzer das Städtebündnis allerdings geschlossen hatten, zeigte sich bereits 1366, noch bevor die Burg fertig war, als Philipp von Isenburg "die Stadt gewonnen, erstiegen und gar bis auf sein Grund geplündert" hatte: Der Rat musste eine Anleihe von 160 Gulden aufnehmen, um sich wieder auslösen zu können.
Es ist anzunehmen, dass zunächst der Nordwestturm der Mauer als Burgfried mit einem Burghaus an der Westseite zur Burg vereinigt wurde. Erst nach und nach erweiterten zusätzliche Gebäude die Anlage. 1456 werden in einem Teilungsvertrag Torhaus, Burgtor mit Brücke, Brunnen, Gefängnis und Burgplatz mit Graben aufgelistet, dazu Küche, Stuben und Schrankkammern, im ersten Stock die große Stube und eine weitere Kammer; ferner Stallungen und ein Kelterhaus.
Die Linzer Landesburg war Sitz des Amtmanns, des Vertreters des Kurfürsten, und des Kellners, der die Steuern und Abgaben erhob und die kurfürstlichen Besitzungen und Einkünfte verwaltete. 1475 musste die Burg ihre erste große Probe bestehen, als das kaiserliche Heer im sogenannten "Neusser Krieg" die Stadt mehr als zwei Monate lang belagerte, wobei die "starke Veste" große Schäden hinnehmen musste. Hermann von Hessen, Gubernator des Erzstifts Köln, gegen den die Linzer gestanden hatten, beauftragte 1478 in einem Vertrag Ritter Laner von Breitbach mit dem Schutz von Burg und Stadt Linz.
In den Religionswirren der Reformation kam 1543 das Schloss mit Stadt und Amt Linz durch Erzbischof Hermann von Wied in die Pfandschaft seines Bruders Johann Graf zu Wied. Es ist anzunehmen, dass Hermann, der sich inzwischen der neuen Lehre zugewandt hatte, dadurch seine Position als Landesherr stärken wollte. So blieb ihm 1547 die Linzer Burg tatsächlich als letzte Zufluchtsstätte. Von hier aus unternahm er den vergeblichen Versuch seine Exkommunikation und Amtsenthebung abzuwenden; und von hier aus zog er sich dann letztendlich auf seine Stammburg (Alt)Wied zurück.
1707 verlegte der Kurfürst die Verwaltung des kurkölnischen Oberamtes von der Feste Altenwied (bei Neustadt) nach Linz. Dazu wurde ein nahezu kompletter Neubau der Burg erforderlich. Von dem spätgotischen Bau blieben nur noch die Fundamente und der Nordwestturm erhalten. Vier Trakte umschlossen nun einen quadratischen Innenhof. Ein Wassergraben/Weiher umgab die Schlossanlage auf der Süd- und Ostseite. In diesem seinem "Schloss" übernachtete der junge Kurfürst Clemens August in der Nacht vom 12. zum 13. Mai 1725 auf der Durchreise von München nach Bonn. Sein Wappen befindet sich seitlich vom Rheintor.
Als nach der Säkularisation 1803 fürstlich nassau-usingsche Verwaltungs- und Justizbeamten die Burg bezogen, bestand sie "aus dem Flügel dem Rhein zu, der zur Wohnung bestimmt ist; den Kelternhäusern und Fruchtböden, in welchen sich die Amtsstube und Repositur (Aktenarchiv) befinden, einer Remise, direkt gegenüber, die als Pferde- und Holzstall gebraucht wird und die Wohnung mit den Kelterhäusern in Verbindung setzt, sowie den Eingangstüren und einigen Anhängern, welche die vierte Seite schließen."
Nachdem 1816 Linz an Preußen gefallen war, verlor das Schloss seine "landesherrliche" Bedeutung. Der preußische Fiskus verkaufte es 1821 für 4050 Reichstaler an den Rheinzollbeseher Anton Feith. Den Graben überließ der Staat der Stadt, die ihn zuschüttete und daraus den heutigen "Burgplatz" gestaltete. So konnte Feith den Zugang, der aus einer Holzbrücke bestand, die über den Graben geführt hatte, durch eine steinerne Treppe ersetzen. Den Torturm über dem Eingangstor, ließ er bis zur Höhe des Wohntraktes abtragen und in den südlichen Wohntrakt einbeziehen. Im Bereich der Ökonomie errichtete er das nordöstliche Turmhaus, und von Osten ließ er eine neue Zufahrt zum Innenhof einrichten. An den beiden Seiten nach Norden und Westen lag der Schlossgarten. Eine Galerie hatte man wegen der Hochwassergefahr auf die Stadtmauer gesetzt.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts verfiel die "Feiths Burg" mehr und mehr. Die stolze Zierde wurde zum Schandfleck der Stadt. 1951 ging sie in den Besitz der Stadt über, die darin Sozialwohnungen unterbrachte.
Nachdem am 12. Februar 1973 der Dachstuhl abbrannte, entschloss sich die Stadt zu einer Außenrenovierung, wobei das Fachwerk in den südlichen Giebelwänden wieder freigelegt wurde. 1985 kam die Burg abermals in Privatbesitz. Die fünf neuen Burgherren schafften in wenigen Monaten eine umfassende Renovierung der Burg.

Quelle: Magazin Rheinkiesel, Ausgabe Mai 2001

 
Fakten



Öffnungszeiten:
siehe "Sonstige Informationen"
Parkmöglichkeiten:
direkt an der Burg (kostenfrei für zwei Stunden)
Essen & Trinken:
Restaurant "Kurfürstliche Burggastronomie
Übernachtung:
nein
Tipps & Tricks:
In der Burg befinden sich diverse Einrichtungen, die zu besichtigen sind.

¤ Mittelalterliches Foltermuseum: Eintritt: 2,00 EUR,
¤ Kinoptikum (Kinomuseum): Eintritt 3,50 EUR,
¤ Römische Glashütte: März bis Weihnachten: täglich 10.00 - 18.00 Uhr, Januar und Februar: Samstags und Sonntags 10.00 - 18.00 Uhr, Eintritt frei
¤ Burgpuppenstube