Wasserschloss Raesfeld
in Raesfeld
Wasserschloss Raesfeld In der Nähe der deutsch-niederländischen Grenze steht im westlichen Münsterland auf zwei durch eine Brücke verbundenen Inseln die eindrucksvolle Schlossanlage Raesfeld. Der gleichnamige Ort wurde 889 erstmals urkundliche erwähnt. Um 1170 (einige Quellen nennen das Jahr 1117) baute Rabodo von dem Berg nördlich des kleinen Ortes inmitten einer unzugänglichen Sumpffläche eine Turmhügelburg. Einige Jahre später errichtete er auch eine kleine Kirche.
Der Enkel Rabodos, Adam von dem Berge, verkauft die derweil abgebrannte Burg 1259 zusammen mit der Gerichtsbarkeit und dem Patronatsrecht an den Ritter Simon von Gemen. Dieser errichtet westlich des Orts an der heutigen Stelle eine neue Burganlage und nannte sich anschließend "Simon von Raesfeld". Ein Nachfahr Simons, Bytter von Raesfeld, erneuert die Anlage und lässt sie um zwei Ecktürme erweitern.
Das Geschlecht derer von Raesfeld brachte aber nicht nur nette Zeitgenossen hervor. Johann von Raesfeld war als Raubritter bekannt, und der Fürstbischof Otto von Münster betitulierte ihn ganz offen als Straßenräuber. Johann starb "eines hastigen Todes", als er im Sommer 1551 von einer herunterfallenden, schweren Eisenstange getroffen wurde. Seine Witwe heiratete anschließend den Droste von der Twente, der - als Johanns Erbsohn 1559 unvermittelt starb - kurzerhand dessen Erbe für sich einstrich, indem er die Burg besetzte. Der eigentlich nun erbberechtigte Herr von Velen musste einen langwierigen Prozess vor dem Reichskammergericht in Speyer anstrengen, ehe ihm dieses 1585 per Gerichtsbeschluss die Burg Raesfeld zusprach.
Durch Erbschaft wurde Alexander von Velen neuer Burgherr der 1597 durch einen Brand beschädigten Anlage. Er ließ das zweigeschossige Herrenhaus ab 1606 zu Wohnzwecken durch den Baumeister Heinrich von Borken neu aufbauen und wurde 1628 durch Kaiser Ferdinand II. in den Stand eines Reichsfreiherren erhoben.
Sein Sohn Alexander II. von Velen (auch der "westfälische Wallenstein" genannt) brachte es im 30jährigen Krieg zu hohen Ansehen und wurde zum Reichsgrafen ernannt. Postum verlieh ihm Kaiser sogar den Rang eines Generalfeldmarschalls der kaiserlichen Liga.
Alexander II. ließ Raesfeld in den Jahren von 1643 bis 1658 zu einem repräsentativen Residenzschloss mit üppigen Parkanlagen und einem Tiergarten als Mittelpunkt für sein erstrebtes Reichsfürstentum ausbauen. Als Architekten für seine ambitionierten Baupläne engagierte er den Münsteraner Kapuzinermönch Michael von Gent. Der Reichsgraf veranlasste auch den Bau einer Kapelle (1648), in der heute der letzte Schlossherr begraben liegt, und ließ einen Turm der Vorburg zu astronomischen Zwecken umbauen und dort ein Observatorium einrichten. Aus diesem Grunde trägt dieser den Namen "Sterndeuterturm". Zu Lebzeiten Alexanders II. weilten viele hochrangige Persönlichkeiten auf Schloss Raesfeld, so z.B. der Straßburger Bischof und Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg, oder der Fürstbischof Christoph-Bernhard von Gahlen.
Doch nach dem Tode Alexanders II. von Velen, ging es mit der Reichsgrafschaft bergab. Sein Sohn Ferdinand-Gottfried sowie seine beiden Enkel Alexander-Otto und Ferdinand-Otto verschleuderten den riesigen Besitz binnen kurzer Zeit durch verschwenderischen Lebensstil. Ferdinand-Otto starb als letzter seiner Familie 1733 ohne Kinder, und Schloss Raesfeld fiel an seinen Neffen, der aber - ebenso wie sein Erbsohn - auch noch im gleichen Jahr starb. Das Geschlecht verlosch somit im Mannesstamm, und der Besitz kam durch Erbschaft an die verwandten Grafen von Limburg-Styrum. Die Schlossanlage aber blieb unbewohnt und verfiel allmählich zur Ruine.
1822 kaufte der Freiherr von Landsberg-Velen den Grundbesitz und nutzte die Gebäude als landwirtshaftliches Gut. Der verwilderte Park wurde in Ackerland umgewandelt, und der Wall zum Verfüllen der versumpften Gräfte genutzt. Im altehrwürdigen Rittersaal lagerten nun die Kornvorräte. Baufällige Gebäude wie die Harnischkammer und das Torhaus fielen dem Abriss zum Opfer. Auch der nördliche Rundturm der Anlage wurde mit Ausnahmen von Resten des Sockels abgebrochen und erst 1959/60 wieder aufgebaut.
Im Jahr 1942 erwarb der Handwerkerverein Raesfeld e.V. das Schloss, das in den folgenden Jahren als Hauptverbandsplatz der nahen Niederrheinfront diente und - ohnehin schon arg verfallen - im Frühjahr 1945 erneut stark beschädigt.
In den Nachkriegsjahren dienten die Schlossgebäude als Notunterkunft für Ostvertriebene und der Raesfelder Volksschule.
Heute ist sich das Wasserschloss (einschließlich knapp 14 ha Grundbesitz) Eigentum der sieben Handwerkskammern Nordrhein-Westfalens, und seine Hauptburg dient seit 1952 als Sitz der "Akademie des Handwerks". Diese ließ in den 50er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts die gesamte Anlage restaurieren.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
ganzjährig von außen
Parkmöglichkeiten:
direkt am Schloss
Essen & Trinken:
nein
Übernachtung:
nein
Homepage:
Tipps & Tricks:
Seit 1952 beheimatet das Schloss die "Akademie des Handwerks", eine überregionale Weiterbildungseinrichtung der Landeshandwerksorganisation von NRW.