Schloss Rochlitz
in Rochlitz
Schloss Rochlitz Um 800 bilden Saale und Elbe die östliche Grenze des Frankenreiches, Saalfeld, Dornburg, Merseburg, Magdeburg und viele andere Burgen sind wichtige Grenzbefestigungen. Östlich der Saale entsteht eine Grenzmark. Die Ostgrenze des beherrschten und in tributärer Abhängigkeit gehalten Raumes greift in Etappen nach Osten aus, erreicht zu unbekannter Zeit die Preiße und wohl zu Beginn des 10 Jahrhunderts die Mulde. Der kleine Rochlitzgau an der Zwickauer Mulde mit seiner zentralen gelegenen gleichnamigen Hauptburg bildet das südlichste Siedlungsgebiet der sorbischen Siedlungslandschaft Chutici (um Leipzig).
Nach der Niederlage gegen die Ungarn 908 sucht der sächsische Herzogssohn und spätere König Heinrich I. Schutz in der bei Wurzen an der Mulde gelegenen Burg Pochau. Mit Püchau, das später als Burgwart erscheint, deutet sich wohl bereits das Burgensystem längs der Mulde an, dessen südlichste Befestigung an der Waldgrenze des Mirquidu die Burg Rochlitz darstellt. Das gesicherte Hinterland an der Mulde ermöglicht Heinrich I. den militärischen Vorstoß bis zur Elbe (929 Gründung der Burg Meißen). Nach 985 erscheint Burgward Rochlitz als Eigengut (Allod) des Markgrafen Ekkenhart I. von Meißen. Er dürfte es als kaiserliches Geschenk erhalten haben. Die Burg Rochlitz ist 995 die einzige sicher bezeugte Reichsburg im Raum des Regierungsbezirkes Chemnitz. Dass sie das militärische, administrative und kirchliche Zentrum des Rochlitzgaues darstellt, wird in einer Urkunde Kaiser Otto III. erstmalig indirekt erwähnt.
1009 erobert Markgraf Gunzelin im Erbfolgestreit der Ekkehartinger von Meißen, Bruder Ekkenhards I. und Schwager Herzog Boleslaws Chorbry von Polen, durch einen Handelsstreit die im Besitz seiner Neffen befindliche Burg Rochlitz und brennt sie nieder.
1068 hielt sich der königliche Hof aud dem Schloss auf. Der 18jährige König Heinrich IV. trifft eine folgenschwere Entscheidung, beleht hier am 28. Oktober - ein bis dahin unerhörter Vorgang - seinen zweijährigen Vetter und späteren hartnäckigsten Gegner Ekbert II. mit der Markgrafschaft Meißen, den dessen Vater zum Nachfolger bestimmt hat.
1210 fällt die Burg Rochlitz an die meißnische Linie, nimmt aber wie das gesamte Muldenland weiterhin eine eigenständige Entwicklung und verwächst erst im Verlauf des 14. Jahrhunderts mit der Markgrafschaft Meißen. Der bisher mit der Verwaltung beauftragte Burggraf wird abgelöst. 1286 bis 1291 ist Schloss Rochlitz Residenz für Pfalzgraf Friedrich von Sachsen-Lauchstädt und anschließend, während der Jahre 1296 bis 1298, Reichsburg unter einer königlichen Besatzung.
Um 1390 erscheint im Register der Markgrafen zu Meißen, erstmalig der Ausdruck "sloß" Rochlitz.
Eine umfangreiche Bautätigkeit wandelt die Burg zum "festen Schloss", wie man diese Übergangsstufe zwischen Schloss und Burg bezeichnet. Ein kostbares Gehäuse für eine Reliquiensammlung entsteht durch einen Um- und Neubau der Schlosskapelle.
Während des Schmalkaldischen Krieges 1547 besetzen Markgraf Albrecht Alcibiades von Brandenburg-Kulmbach und der Landgraf Christoph von Leuchtenberg mit 6000 Mann Schloss und Stadt Rochlitz und beabsichtigen, sich mit den Truppen des Herzogs Moritz von Sachsen zu vereinigen, werden aber durch Kurfürst Johann Friedrich in der Schlacht bei Rochlitz vernichtend geschlagen und gefangen genommen.
Vom 29. - 31. Juli 1644 belagert und erobert Kurfürst Johann Georg I. mit 14 Kanonen das seit 1643 von den Schweden besetzte Schloss. Der seit langem rückständige Sold zwingt den Kurfürsten, sein Schloss den Truppen zur Plünderung freizugeben, die davon ausgiebigen Gebrauch machen.
Vom 31. Dezember 1644 bis 7. Januar 1645 belagern die Schweden mit zwei Feldzügen und zwei Mörsern das Schloss erfolglos. Kurz vor dem Waffenstillstand von Kötschenbroda, am 15. August 1645 erleidet das Schloss einen empfindlichen Verlust. Mit zahlreicher Artillerie erobern die Schweden unter Generalleutnant Königsmark und Generalmajor Axel Lillie am 3. August das tapfer verteidigte Schloss. Dabei brennt das Unterschloss ab. Die Schweden denken nicht daran, ihre Kapitulationszusage einzuhalten; der kurfürstliche Kommandant Englin wird auf der hinteren Schlossbrücke standrechtlich erschossen.
Clemens Pfau erhält 1893 für das 1892 gegründete Museum die Schlosskapelle als ersten (und bis 1934) einzigen Ausstellungsraum.
1934/36 finden durchgreifende Erhaltungsmaßnahmen an der Bausubstanz der Anlage statt; u. a wird endlich die barbarische Vermauerung der Kapellenfenster durch Sparrenfenster ersetzt.
1944 wird Schloss Rochlitz Auslagerungsort für das Staatsarchiv Dresden, die Universitätsbibliothek Leipzig und das Museum der bildenden Künste Leipzig. Nach Rückführung und Neuordnung der Bestände werden empfindliche Verluste festgestellt. Von den nicht aufgeführten Auslagerungsverlusten der Universitätsbibliothek Leipzig wird 1991 eine auf Pergament gedruckte Gutenbergbibel aus der Zeit um 1450 in Moskau entdeckt.
Von April - Juni 1945 dient die ehemalige Haftanstalt der US Army als Auffanglager für die deutsche Kriegsgefangene und aktive Nationalisten.
Von Juli 1945- Mai 1947 ist Schloss Rochlitz Sitz des sowjetischen Geheimdienstes NKWD. Alle ehemaligen Dienststellen und Dienstwohnungen sind ausquartiert, das Museum nicht zugänglich. Sämtliche Räume des Museums sowie das eingelagerte Kulturgut werden gründlichst nach Kriegstrophäen durchsucht. Das Museum verliert durch Vandalismus und nachfolgende unsachgemäße Bergung etwa ein Viertel seines Bestandes.
1960 wird Schloss Rochlitz wieder an die Stadtverwaltung zurück gegeben.
Mit Auszug des Kreisgerichts verlässt nach etwa 100 Jahren 1990 die letzte Behörde der regionalen Verwaltung dem 1000jährigen Verwaltungssitz Schloss Rochlitz.
Von 1990 - 91 erfolgt der Abriss der seit 1961 stillgelegten Haftanstalt und Wiederherstellung der ursprünglichen Hofsituation durch Rekonstruktion von 20 laufenden Metern Wehrgang, die durch die bisherige Haftanstalt überbaut waren. Die durchgängige Besichtigungstrasse von der Schlosskapelle bis zur Lichten Jupe wird 1992 eröffnet.
Schloss Rochlitz wird 1994 wieder vom Freistaat Sachsen übernommen und beginnt als selbstständiger Schlossbetrieb zu wirtschaften.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
Februar bis Oktober: Dienstags bis Sonntags 10:00 bis 17:00 Uhr
November bis Januar: Dienstags bis Sonntags 10:00 bis 16:00 Uhr
(letzter Einlass 30 Minuten vor Schließung)
Museumseintritt für Erwachsene 2,10 EUR, ermäßigt: 1,60 EUR
Parkmöglichkeiten:
direkt an der Burg
Essen & Trinken:
kleiner Kiosk
Übernachtung:
nein
Tipps & Tricks:
Das Schloss beherbergt ein Museum zur Schlossgeschichte.
Führung sind zum Preis von 15,00 EUR nur für vorangemeldete Gruppen möglich.
Für eine Fotoerlaubnis im Museum sit 1,00 EUR zu zahlen.