Schwanenburg
in Kleve
Schwanenburg Im Jahre 1092 wird erstmals ein Graf Dietrich I. von Kleve urkundlich erwähnt, der sich wahrscheinlich nach seiner dort befindlichen Stammburg nannte. Um 1233 nahmen die Klever Grafen den Karfunkel in ihr Wappen auf und verwiesen somit auf den legendären Schwanenritter Helias als Stammvater. Diese Legende vom Schwanenritter war es, die im Mittelalter dem so genannten Schwanenturm und im 19. Jahrhundert der gesamten Burganlage ihre heutigen Namen gab.
Westlich der Anlage gründete Graf Dietrich V. die Siedlung Kleve und verlieh ihr am 25. April 1242 die Stadtrechte. Dietrich VIII. machte die Burg zum festen Regierungssitz seiner Grafschaft.
Als die Grafenfamilie 1368 im Mannesstamm ausstarb, kam die Grafschaft Kleve mitsamt der Schwanenburg als Erbe an die Grafen von der Mark. Adolf IV. von der Mark (auch Adolf I. von Kleve genannt) wurde 1417 von Kaiser Sigismund zum Herzog von Kleve ernannt.
Den Höhepunkt ihrer Macht erlebten die Herzöge jedoch erst im 16. Jahrhundert als Herrscher der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg, die zudem im Besitz der Grafschaften Mark und Ravensberg und kurzzeitig (1538 - 1543) auch des Herzogtums Geldern waren. Dies wirkte sich auch auf die Schwanenburg aus, denn nur noch selten weilte der herzogliche Hof in der klever Residenz, meist hielt er sich in Düsseldorf, Jülich oder Hambach auf.
Mit dem Tod des kinderlosen Herzogs Johann Wilhelm kam die Schwanenburg durch Erbteilung an das Kurfürstentum Brandenburg, namentlich Johann Sigismund. Neben Berlin und Königsberg wurde Kleve dritte brandenburgische Residenzstadt.
Unter dem brandenburgischen Statthalter Johann Moritz von Nassau-Siegen erlebte die Schwanenburg ihre letzte große Blütezeit. Im Namen von Kurfürst Friedrich Wilhelm ließ er Kleve zu einer Garten- und Parkstadt von europäischem Rang ausbauen.
In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verlor die Stadt und somit auch die Burg ihre Bedeutung, weil der Unterhalt der großen Anlage schlichtweg zu teuer war. Die Schwanenburg wurde nur noch zu Verwaltungs- und Justizzwecken genutzt. Während der französischen Zeit Kleves richteten sich dort französische "Besatzer" ein, denen 1821, nachdem Kleve dem Regierungsbezirk Düsseldorf zugeschlagen worden war, deutsche Beamte folgten. Noch bis 1917 diente die Burganlage als Gefängnis.
Ausgrabungen in den Jahren 1999/2000 haben gezeigt, dass es am Ende des 11. Jahrhunderts bereits eine Burganlage gegeben hat, deren Ursprünge von den Archäologen jedoch im 10. Jahrhundert vermutet werden. Die Arbeiten zeigten jedoch, dass Vermutungen, die Anlage könne womöglich römische Wurzeln haben, nicht korrekt sind. Erwähnung fand die Schwanenburg erstmals 1184 in einem Siegburger Mirakelbuch. Zu jener Zeit bestand sie bereits aus einem viereckigen Wohnturm mit 2,5 Meter dicken Mauern aus Tuffstein (erbaut um 1100), der seit etwa 1150 von einer vieleckigen Ringmauer umgeben war. An den Donjon schloss sich an dessen Ostseite ein etwa 12x30 Meter messender Palas mit aufwändigem Prunkportal an. Das Burgtor im Süden war durch einen fünfeckigen Turm, dem sog. "Johannisturm", gesichert und durch einen künstlich angelegten Halsgraben vom übrigen Bergrücken getrennt. Im Südwesten erhob sich schon damals der 28 Meter hohe "Spiegelturm" mit komfortabler Abortanlage samt Wasserspülung und Entlüftungsanlage.
Dieser sichelförmig angelegte Komplex gehörte im 12. und 13. Jahrhundert zu den größten und prunkvollsten Profanbauten der Romanik am Niederrhein.
Noch zu Beginn des 13. Jahrhunderts lag unterhalb der Anlage ein eigenständiger Burgflecken mit Unterkünften für Bedienstete und Ministeriale, der in der Folgezeit allmählich mit der nahe gelegenen Stadt Kleve zusammenwuchs.
Im 14. und 15. Jahrhundert erfolgten zahlreiche An- und Umbauten unter Verwendung von Backstein, um der gewachsenen politischen und kulturellen Stellung des Klever Herrscherhauses Rechnung zu tragen. Herzog Adolf I. ließ den Spiegelturm 1429 zu einem Archiv umbauen, wobei die beiden unteren Stockwerke mit Gewölbedecken versehen wurden.
Als am 7. Oktober 1439 der alte Wohnturm einstürzte, ließ Adolf I. an gleicher Stelle durch den herzoglich klevischen Baumeister Johan Wyrenberg den schlankeren, dafür über 50 Meter hohen Schwanenturm errichten. 1440 mit dem Bau begonnen, konnten die Arbeiten daran acht Jahre später beendet werden. Der Turmspitze wurde 1455 ein vergoldeter Schwan aufgesetzt, der dem Bau seinen Namen gab.
Herzog Wilhelm der Reiche ließ im 16. Jahrhundert die Schwanenburg durch die Baumeisterfamilie Pasqualini (z.B. Alessandro Pasqualini) modernisieren und erweitern. Zu jenen Erweiterungsbauten, die heutzutage allesamt nicht mehr erhalten sind, zählten u. a. das 1560 errichtete, der Burg vorgelagerte "Herzog-Wilhelm-Tor" und ein 1558 gebautes Kanzleigebäude, das 1569/70 durch einen niedrigeren Galerieflügel im Stil der Renaissance mit dem Johannisturm verbunden wurde.
Unter den Brandenburgern wurde die Schwanenburg dann durch den niederländischen Architekten Pieter Post in den Jahren 1663 - 1666 gemäß dem Zeitgeschmack in ein schlichtes Barockschloss umgebaut. Im Zuge dieser Arbeiten wurden (mit Ausnahme der Türme) sämtliche bestehenden gotischen Bauelemente entfernt. In jener Zeit entstanden u. a. ein Zwischenflügel mit einem monumentalen Tordurchgang, der heute als Haupteingang genutzt wird, sowie Arkadengänge in den beiden Innenhöfen. Die Baumaßnahmen gaben der Anlage somit ihr heutiges Erscheinungsbild.
Mangelnder Bauunterhalt führte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts dazu, dass viele Teile der großen Anlage abgerissen werden mussten; so z.B. die Kanzleibauten, der staufische Palas mit Rittersaal (1771) und der Johannisturm (1784). Reste des Palasportals wurden anschließend als Türeinfassung des kleineren Innenhofs verwendet.
1828 erfolgte ein Umbau durch die in der Schwanenburg angesiedelte Justizverwaltung, um die Gebäude den damaligen Nutzungsbedürfnissen anzupassen. Dadurch wurden einige historische Baumerkmale gänzlich zerstört.
Erste Restaurierungsarbeiten an der erhaltenen Bausubstanz erfolgten 1893 - 1897 und - in Folge erster archäologischer Untersuchungen an der Anlage - in der Zeit von 1909 bis 1914.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Schwanenburg am 7. Oktober 1944 bei einem alliierten Luftangriff schwer beschädigt: Ein Flugzeug prallte gegen den Schwanenturm und explodierte. Der daraufhin von Klever Bürgern getragene Verein "Bauhütte Schwanenburg" sorgte in den Jahren 1948 bis 1953 für den teilweisen Wiederaufbau der Anlage. Der 1986 gegründete Verein "Freunde der Schwanenburg" folgte ihm nach und sorgt seither kontinuierlich für die Wiederherstellung und Restaurierung der noch erhaltenen Bausubstanz, so z.B. des gotischen Gewölbes im Spiegelturm (1988).
Im Schwanenturm befindet sich auf mehreren Etagen eine geologische Sammlung des Klever Heimatmuseums.
Nach Vereinbarung kann im Rahmen einer Führung auch der Spiegelturm besichtigt werden.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
jederzeit von außen
01.04. bis 31.10. täglich 11:00 - 17:00 Uhr,
01.11. bis 31.03. samstags und sonntags 11:00 - 17:00 Uhr,
Eintritt für Erwachsene: 1,50 EUR, für Kinder: 0,50 EUR
Parkmöglichkeiten:
kostenpflichtig direkt an der Burg
Essen & Trinken:
nein
Übernachtung:
nein
Homepage:
Tipps & Tricks:
In der Burg befindet sich das Landgericht Kleve. Der Schwanenturm kann aber besichtigt werden.