Burg Stolberg
in Stolberg
Burg Stolberg Historisch gesicherte Erkenntnisse über die Burg Stolberg existieren erst für die Zeit nach 1100. Im 12. Jahrhundert wird mehrmals ein Edelherrengeschlecht derer zu Stalburg (auch ''Stahlburg'') urkundlich erwähnt. Deren Mitglied, der Freie Renardus von Stalburg, errichtete wahrscheinlich ein erstes festes Haus auf dem Burgfelsen.
Nach 1237 kam Haus Stolberg - vermutlich von Wilhelm von Stalburg - unter noch nicht genauer bekannten Umständen an Wilhelm, Harper und Wirich von Frentz. Letzterer kam gemeinsam mit dem Grafen Wilhelm V. von Jülich in der Nacht vom 16. auf den 17. März 1277 - der so genannten ''Getrudisnacht'' - in Aachen um. Bei dem Versuch, eine Sondersteuer für König Rudolf I. einzutreiben, wurde er von aufgebrachten Aachener Bürgern erschlagen.
Wilhelms Sohn aus seiner ersten Ehe mit Sophia von Hüceswagen, Wilhelm II., trug den Hof Stolberg im August 1277 der Stadt Köln zu Lehen auf. Seine Frau, Mechthildis von Reifferscheidt, nannte sich nach dem Tod Wilhelms II. ''Herrin von Stoylburch''. Da ihr Sohn Wirich kinderlos verstarb, erbte ihre Tochter Hadewigis von Frentz-Reifferscheidt zu Stolberg und Setterich den Besitz und brachte diesen mit in ihre zweite Ehe mit Arnold, Edelherr von Randerath. Beide übertrugen Burg und Herrschaft Stolberg 1324 an Hadewigis' Verwandte, die Edelfrau Ricarda von Salm-Reifferscheidt, Witwe des früh verstorbenen Johanns III. von Reifferscheidt.
Ricardas Sohn Johann IV. war Marschall von Westfalen und beerbte seine verstorbene Mutter um 1350. Anschließend setzte er den Ritter Edmund von Barmen 1364 für sieben Jahre als Burgverwalter ein. Vermutlich waren es die Erben Johanns IV., die um 1372 die Burg an Reinhard II. von Schönforst verkauften. Der jedoch residierte weiterhin in Schönforst, auf Burg Stolberg wohnten nur Burgmannen. Diese verdingten sich jedoch als Raubritter, so dass der Landfriedensbund zwischen Rhein und Maas die Anlage belagerte und Reinhard II. die Fehde ansagte, in deren Verlauf die Burg geschleift wurde.
1396 wurde Schönforst durch Herzog Wilhelm von Wilhelm III. von Jülich und Geldern erobert. Der Schönforster Besitz wurde einschließlich Stolberg dem Herzogtum Jülich einverleibt.
Wilhelms Nachfahr, Herzog Gerhard II. von Jülich-Berg verpfändete ''Staelburg uf der Veicht'' im Juni 1445 an seinen Rat und Freund Wilhelm von Nesselrode mit der Auflage, auf dem dortigen Berg eine neue Burg zu errichten. Nur zwei Jahre später wurde Stolberg zu einer Unterherrschaft erhoben und zum Erbmannlehen der Familie von Nesselrode erklärt.
Wilhelms gleichnamiger Sohn, Wilhelm II. von Nesselrode, beerbte seinen Vater 1471. Da aber seine Frau Adriane von Arendahl die Herrschaft Rheydt mit in die Ehe gebracht hatte, zog es Wilhelm II. vor, auf dem dortigen Schloss Rheydt zu wohnen. Er übertrug Burg und Herrschaft 1483 an seinen Verwandten Bertram von Nesselrode zu Ehrenstein, weil er selbst kinderlos war. Aber auch Bertram hatte keine Kinder, so dass er den Besitz noch am gleichen Tag an seinen Neffen Bertram von Gevertshagen (genannt ''Lützenrode'') weitergab. Jener Bertram und dessen Frau Margareta Spoir gaben Stolberg 1496 an Herzog Wilhelm IV. von Jülich-Berg zurück.
Wilhelm III. belehnte nur neun Tage später den Junker Vinzenz von Efferen damit. In der entsprechenden Lehensurkunde wird erstmals von Stolberg als Erbgift geschrieben. Zu jener Zeit war es demnach kein Mannlehen mehr, sondern auch weibliche Familienmitglieder waren nun erbberechtigt. Vinzenz' Sohn Hieronymus aus der Ehe mit Johanna von Merode-Schlossberg war ein Vetrauter des Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg, der ihn zum herzoglichen Artillerie- und Zeugmeister ernannte. 1532 trat Hieronymus die Erbfolge auf der Burg Stolberg an. Nach seinem Tod wurde 1552 erstmals eine Frau Besitzerin: Hieronymus' Ehefrau Anna von Nesselrode. Als sie 1559 starb, folgten ihr die beiden Söhne Johann und Wilhelm nach.
Wilhelm war Mitglied des Deutschen Ordens und hielt sich aus diesem Grunde nur äußerst selten in Stolberg auf. Sein Bruder Johann hingegen sollte die Stolberger Geschichte maßgeblich mitbestimmen. So unterstützte er die Stolberger Protestanten, indem er beispielsweise die katholisch geweihte Burgkapelle Anhängern des reformierten Glaubens für regelmäßige Gottesdienste zur Verfügung stellte. Johanns Taten und religiöse Toleranz legten den Grundstein für eine immer größer werdende protestantische Gemeinde in Stolberg.
Im Verlauf des Achtzigjährigen Kriegs besetzten im Dezember 1606 spanische Söldner unter Oberst Don Gaston die Burg für sechs Wochen und plünderten sie.
Nach Johanns Tod übertrug sein Bruder Wilhelm nach kaum einem halben Jahr 1608 den Besitz an die Kinder seines Vetters, Wilhelm Adolf und Johann Dietrich von Efferen. Da diese zur Zeit der Übertragung noch minderjährig waren, wurde ihr Vormund, der Wormser Bischof Wilhelm von Efferen, mit der Herrschaft belehnt.
Johann Dietrich - nach dem Tod seines Bruders alleiniger Besitzer der Burg - wurde 1368 vom Kaiser in den Stand eines Freiherren erhoben. Seine Erbtochter Odilia, Freiin von Efferen, brachte die Burg 1649 an die Familie ihres Ehemanns, Ferdinand Freiherr Raitz von Frentz zu Kendenich, der wie sein Vater kurkölnischer Erbkämmerer war.
Ferdinands Sohn Franz Carl, trat 1691 sein Stolberger Erbe an. Nach seinem Tod verheiratete sich seine Frau in zweiter Ehe mit Anton Heinrich Freiherr von Cortenbach zu Altenhagen, den der Jülicher Herzog Karl Philipp 1735 mit Stolberg belehnte. Die Verwandten Franz Carls aber legten gerichtlichen Einspruch gegen die Erbschaft Maria Annas ein und konnten den sich anschließenden langwierigen Prozess im Januar 1745 für sich entscheiden. Die Herrschaft kam an die Nachfahren des ersten Mannes, in diesem Fall drei weibliche, verheiratete Mitglieder der Familie von Frentz zu Kendenich, deren Ehemänner nach dem Prozess zu gleichen Teilen mit der Burg und Herrschaft Stolberg belehnt wurden.
1777 kam es durch den Bollheimer Generalvertrag zu einer Teilung des Frentz'schen Besitzes. Stolberg kam an die Familie der Grafen von Kesselstatt, Nachfahren der Antonetta Franziska Theresia Isabella von Frentz zu Kendenich. Hugo Johann Casimir Edmund von Kesselstatt zu Föhren und seine Ehefrau Maria Catharina Elisabeth Freiin von Knebel zu Katzenelnbogen, wurden jedoch bereits 1794 enteignet, nachdem französische Revolutionstruppen linksrheinische Gebiete besetzt hatten. Als Ergebnis des Wiener Kongresses fiel Stolberg 1815 an Preußen und gelangte über diesen Weg wieder an die Grafen von Kesselstatt.
Joseph Franz von Kesselstatt verkaufte die Burg 1803 an die Eheleute Richard und Maria Katharina Welter für 4000 Mark. Von deren Erben erwarb 1887 der Fabrikant Moritz Kraus die derweil herunter gekommene Burganlage für 3000 Mark, um sie wieder aufbauen zu lassen. 1909 schenkte Kraus die Burg der Stolberger Bürgerschaft als unveräußerliches Eigentum.

Renardus von Stalburg wird heute als der vermutliche Gründer der Burganlage angenommen, auch wenn es sich zu seiner Zeit lediglich um ein festes Haus gehandelt haben dürfte, das ein Stück oberhalb der jetzigen Wehranlage stand.
Die Erwähnung der Anlage als "Schloss" im Jahre 1325 zeugt davon, dass das alte Wohnhaus unter Wilhelm II. von Stolberg und dessen Frau Mechtildis erweitert worden war. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch erstmals eine Burgkapelle eingerichtet.
Als Johann IV. von Reifferscheidt im Jahre 1364 Edmund von Barmen als Verwalter einsetzte, befand sich die Anlage vermutlich in einem schlechten Zustand, denn Edmund erhielt die Auflage, 400 Gulden in den Gebäuden zu verzimmern und verbauen. Es ist jedoch noch nicht zweifelfrei belegt, ob es sich bei dieser Investition nicht auch um eine Erweiterung der Burganlage gehandelt haben könnte.
In der Fehde zwischen dem Landfriedensbund und Reinhard II. von Schönforst wurden sämtliche Gebäude geschleift und unbewohnbar gemacht, da es in jener Zeit nicht üblich war, sich durch Geldzahlungen oder Wiedergutmachung vom Vorwurf des Landfriedensbruchs freikaufen zu können. In den nachfolgenden Jahren war der Burgfelsen somit lediglich von Ruinenresten gekrönt.
Mit der Verpfändung Stolbergs an Wilhelm von Nesselrode war die Auflage verbunden, dass eine mögliche neue Burg als Offenhaus des Herzogs von Jülich zu errichten sei. Die Arbeiten daran begannen im Jahre 1448 und wurden erst unter Wilhelm II. von Nesselrode beendet. Nach dem Neubau präsentierte sich die Burg Stolberg als eine Anlage mit rundem Bergfried und einem sich westlich daran anschließenden Palas, der um einen niedrigeren Kemenatenanbau erweitert worden war. Auf der Westseite des Burgfelsens stand ein Flankierungsturm, der durch einen Torbau mit den übrigen Gebäuden verbunden war. Im Schutze der Wehrmauer existierte auch ein kleiner Bau mit einer Burgkapelle, an deren Stelle sich heute die katholische Pfarrkirche St. Lucia befindet.
Während der Geldrischen Fehde wurde die Anlage im Oktober 1542 durch den Fürsten von Oranien, René de Chalon, angegriffen und teilweise zerstört. Die dabei aufgetretenen, schweren Brandschäden waren aber bis 1548 wieder behoben und die Burg sogar noch erweitert worden. Hieronymus von Efferen hatte hierbei u. a. den Palas mit einem hohen Dach und Treppengiebeln versehen und dem Flankierungsturm im Westen eine polygonale Schieferhaube aufsetzen lassen.
Im 18. und 19. Jahrhundert verfiel die gesamte Anlage immer mehr zu einer Ruine. 1756 stürzten durch ein Erdbeben die Kamine ein, und die Hauptmauer war zu jener Zeit an vielen Stellen geborsten. Zum Zeitpunkt des Verkaufs an die Eheleute Welter 1803 befand sie sich in einem sehr baufälligen Zustand. Die stark beschädigten Gebäude dienten als Notunterkünfte für Obdachlose und beherbergten Werkstätten von Handwerkern. Die Welters trugen das Ihrige dazu bei, indem sie die Steine der eingestürzten Mauern verkauften.
Nach dem Kauf der Burgruine durch Moritz Kraus ließ dieser sie im Stil des romatisierenden Historismus nach Plänen des Kölner Architekten A. Müller-Grabe schlossartig wieder aufbauen. Neben dem Wiederaufbau des durch eine Pulverexplosion zerstörten Bergfrieds wurden den Gebäuden aber auch architektonische Elemente wie Wehrgänge und Zinnen hinzugefügt, die niemals zuvor existiert hatten. Auch wurden einige neue Bauten errichtet: So wurde dem Bergfried nördlich ein Dansker vorgebaut, der durch eine Brücke mit dem Bergfried verbunden wurde. Unterhalb des Westturmes entstand ein wuchtiger Vierkantturm, und dem Palas setzte Kraus auf dessen Nordseite in der ganzen Gebäudelänge eine Halle vor. Ebenso ist die heutige Vorburg eine Neuschöpfung dieser Bauphase. Die Arbeiten dauerten mit zeitweiligen Unterbrechungen rund 25 Jahre und waren noch nicht abgeschlossen, als Kraus die Burg der Stadt Stolberg schenkte. So wurde erst 1910 der Rohbau einer neuen Torburg fertig gestellt.
Während des Zweiten Weltkriegs trug die Burganlage schwere Beschädigungen davon. Bei dem sich anschließenden Wiederaufbau nutzte man die Gelegenheit, stilwidrige Bauelemente zu entfernen. Die Verantwortlichen entschlossen sich dazu, die Arbeiten an der Burg darauf abzielen zu lassen, einen ähnlichen Bauzustand wie seinerzeit unter Hieronymus von Efferen herzustellen. So erhielt der westliche Flankierungsturm wieder seine frühere Zwiebelhaube, während den östlichen Rundtürmen Nürnberger Helme aufgesetzt wurden. Das Palasgebäude erhielt ein Steildach und seine beidseitigen Treppengiebel zurück.
Der Rittersaal und die angeschlossene Kemenate werden heute für kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und Kammerkonzerte genutzt und sind darüber hinaus auch für private Festlichkeiten zu mieten. Außerdem existiert seit den Wiederherstellungsarbeiten nach dem Zweiten Weltkrieg im Obergeschoss des Palas eine Galerie, in der regelmäßig Ausstellungen stattfinden.
Die durch Moritz Kraus neu errichtete Torburg beherbergt heute ein kleines Heimat- und Handwerksmuseum, das von einem Verein betreiben wird. Auf vier Etagen sind Exponate zur Glas-, Kupfer-, Messing- und Seifenherstellung zu sehen. Außerdem beherbergt es einige historische Werkstätten wie Schusterei, Sattlerei oder Schmiede sowie eine Kaffeerösterei. Die Museumsbetreiber unterhalten im unteren, südlich gelegenen Burghof auch einen Kräutergarten, in dem heimische, für die Gegend typische Würz- und Heilkräuter angebaut werden.

 
Fakten



Öffnungszeiten:
jederzeit von außen
von innen: ganzjährig dienstags bis freitags 14:00 bis 18:00 Uhr, samstags und sonntags 11:00 bis 19:00 Uhr
Parkmöglichkeiten:
direkt vor der Burg
Essen & Trinken:
nein
Übernachtung:
nein
Homepage:
Tipps & Tricks: